Schilddrüsenunterfunktion

Die Schilddrüse ist ein kleines Drüsenorgan im Hals. Ihre Aufgabe ist es, den Körper mit Schilddrüsenhormonen zu versorgen, die ihrerseits maßgeblich an der Regulierung des Zellwachstums und des Stoffwechsels beteiligt sind. Kommt es zu einer Fehlfunktion, gerät das gesamte körperliche Gleichgewicht aus dem Takt.

Besonders häufig ist eine Schilddrüsenunterfunktion. Nach Schätzungen leidet ein Prozent der Menschen an einer solchen Hypothyreose, wie die Schilddrüsenunterfunktion medizinisch genannt wird.

Symptome der Schilddrüsenunterfunktion

Bei der Schilddrüsenunterfunktion kann das Drüsenorgan keine ausreichende Menge an Schilddrüsenhormonen produzieren. Das hat zur Folge, dass der Stoffwechsel gedrosselt wird. Dabei kommt es zu Verstopfungen, ein übermäßiges Kälteempfinden und in Einzelfällen sogar zu einem gefährlich niedrigen Puls oder Herzrhythmusstörungen.

Eine allgemeine Antriebslosigkeit und Müdigkeit macht sich breit, die Haare wirken strohig und Nägel werden brüchig. Die Haut scheint gelblich und wird rissig. Die Stimme kann heiser klingen und der Hals kann dicker werden. Es kommt sehr häufig zu einer deutlichen Gewichtszunahme.

Wann muss ein Arzt aufgesucht werden?

Wichtig: Da es sich bei allen Symptomen auch um andere Krankheiten handeln kann, sollte generell bei Krankheitsanzeichen ein Arzt aufgesucht werden!

Die Symptome für eine Schilddrüsenunterfunktion sind anfangs sehr unspezifisch. Viele von ihnen lassen sich auf körperlichen Stress, Übermüdung und ähnliche Ursachen zurückführen.

Ein Teil von ihnen ähnelt zudem den Symptomen anderer Erkrankungen. Daher stellt sich die Frage: Wann muss man bei Verdacht auf eine Schilddrüsenunterfunktion zum Arzt?

Anzeichen für eine Schilddrüsenunterfunktion ernstnehmen

Symptome wie Müdigkeit, Antriebslosigkeit und Konzentrationsschwächen sowie ein verlangsamter Stoffwechsel bleiben in vielen Fällen zunächst unbemerkt. Das liegt daran, dass der eigene Lebensrhythmus meistens den Verdacht nahe legt, dass diese Symptome zu wenig Schlaf oder eine Überlastung als Ursachen haben.

Im eigenen Interesse sollte spätestens bei anhaltenden Anzeichen dieser Art ein Arzt konsultiert werden, um die tatsächlichen Ursachen abzuklären. Das gilt insbesondere dann, wenn es zu einer nicht erklärlichen Gewichtszunahme kommt, die Haut sich gelblich färbt oder der Betroffene ein gesteigertes Kälteempfinden hat.

Auch brüchige Nägel oder strohige Haare können den Verdacht auf eine Schilddrüsenunterfunktion untermauern.

Knoten oder Verdickungen an der Schilddrüse

Bei anderen Symptomen sollte schnellstmöglich ein Arzt aufgesucht werden. Das betrifft Schluckbeschwerden und ein Gefühl der Enge im Hals sowie eine Verdickung des Halses (Kropf).

Ganz besonders dann ist ein Arztbesuch unerlässlich, wenn der Betroffene selbst Verhärtungen oder Knoten im Bereich der Schilddrüse ertastet. In diesen Fällen kann nicht nur eine Schilddrüsenunterfunktion vorliegen, sondern auch ein Karzinom.

Herz-Kreislauf-Probleme

Sofort zum Arzt muss ein Betroffener, wenn es zu akuten Herz-Kreislauf-Störungen, Herz-Rhythmus-Störungen oder einem extrem verlangsamten Puls kommt. Diese Symptome sind potenziell gefährlich und bedürfen einer sofortigen ärztlichen Untersuchung.

Insbesondere ein langsamer und schwacher Puls kann ein Anzeichen für ein seltenes Koma durch eine Schilddrüsenunterfunktion sein. Aber auch dann, wenn die Schilddrüse nicht Ursache sein sollte, müssen diese Symptome von einem Arzt untersucht werden.

Symptome bei Kindern

Da Kinder Symptome der Schilddrüsenunterfunktion nicht immer selbst erkennen können und auch Kleinkinder betroffen sein können, sollten Eltern ein wachsames Auge auf Veränderungen oder mögliche Symptome haben.

Neben den typischen Anzeichen sind dies auch ein schwaches Trinkverhalten bei Säuglingen, ein vergleichsweise geringes Körperwachstum, Anzeichen für eine unzureichende geistige Entwicklung, eine deutlich verzögerte Pubertät oder Sprach- und Hörstörungen. Bei diesen Anzeichen sollte ein Arzt um Rat gefragt werden.

Ärztliche Untersuchung

Bei den genannten Symptomen kann eine Schilddrüsenunterfunktion vorliegen, die dringend vom Arzt behandelt werden muss. Dazu untersucht dieser den Patienten zunächst durch Abtasten, Bestimmen wichtiger Blutwerte und gegebenenfalls Ultraschall und kann aufgrund der Befunde eine Schilddrüsenunterfunktion diagnostizieren oder ausschließen.

Liegt eine Hypothyreose vor, muss der Arzt noch untersuchen, woher diese stammt. Liegt es an der Schilddrüse selbst, spricht man von einer primären Hypothyreose. In vielen Fällen kann dann eine Operation notwendig sein. Dabei handelt es sich um einen Routineeingriff, bei dem eventuell geschädigtes Gewebe entfernt wird.

Therapie einer Schilddrüsenunterfunktion

Liegt eine Schilddrüsenunterfunktion vor, muss diese dauerhaft mit Medikamenten behandelt werden. Diese führen dem Köper in der Regel die fehlenden Schilddrüsenhormone zu, sodass Zellwachstum und Stoffwechsel sich nach und nach normalisieren und die Symptome abklingen.

Die Therapie muss in den meisten Fällen ein ganzes Leben lang fortgesetzt werden. Die Patienten können aber mit Medikamenten ein völlig normales Leben ohne Beeinträchtigung führen.

Vorsorgeuntersuchungen

Im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen ab dem 37. Lebensjahr kann der Arzt auf Nachfrage des Patienten eine Blutprobe auf eine Schilddrüsenfehlfunktion untersuchen lassen. Diese Untersuchung kann zweijährlich wiederholt werden und ist im Rahmen der Vorsorge kostenfrei.

Sollten mehrere Symptome den Verdacht auf eine Schilddrüsenfehlfunktion aufkommen lassen, sollte grundsätzlich umgehend ein Arzt aufgesucht werden. Nur ein Mediziner kann die individuellen Symptome fachmännisch untersuchen und gegebenenfalls eine Schilddrüsenunterfunktion feststellen.

Da die Hypothyreose häufig lange Zeit unerkannt bleibt, sollten auch scheinbar banale Symptome spätestens bei einer Häufung oder bei längerem Anhalten ernst genommen werden.

Jodmangel und Schilddrüsenunterfunktion

Bei einer erworbenen Schilddrüsenunterfunktion ist in vielen Fällen Jodmangel die Ursache. Da Jod nicht vom Körper gebildet werden kann, empfehlen Mediziner als Prophylaxe die Zufuhr von Jod über Nahrungsmittel wie Jodsalz oder Seefisch wie Seelachs oder Scholle.

Wie lebt man mit einer Schilddrüsenunterfunktion?

Die Diagnose einer Schilddrüsenunterfunktion ist ein Einschnitt im Leben. Bleibt diese unbehandelt, können schwere Folgeschäden entstehen. Insbesondere das Herz-Kreislauf-System und der gesamte Stoffwechsel leiden darunter.

Die Diagnose bedeutet aber nicht, dass es zu einer erheblichen Umstellung des Lebens kommt oder dass die Lebenserwartung durch die Krankheit begrenzt wird. Denn nur eine unbehandelte Hypothyreose ist gefährlich. Medikamente ermöglichen dagegen ein ganz normales Leben.

Schilddrüsenunterfunktion: Therapie ein Leben lang

Wenn die Schilddrüse nicht mehr Schilddrüsenhormone in ausreichender Menge produziert, muss dies grundsätzlich therapiert werden. Nur dann kann der Betroffene mit der Fehlfunktion seines Drüsenorgans unbeschwert leben, ohne Folgeschäden befürchten zu müssen.

Die Schilddrüsenunterfunktion kann mit Medikamenten gut behandelt werden. Diese regulieren entweder vorrangig den Jodhaushalt im Körper oder sie fügen das T4-Hormon künstlich hinzu, das der Körper für ein gesundes Zellwachstum und einen normalen Stoffwechsel benötigt.

Diese Medikamente müssen ein Leben lang eingenommen werden, denn eine Schilddrüsenunterfunkton kann nicht geheilt werden.

Völlig normales Leben mit der Fehlfunktion

Obwohl die Hypothyreose nicht geheilt werden kann und Medikamente dauerhaft eingenommen werden müssen, kann der Betroffene ein ganz normales Leben führen. Bei guter Einstellung der Medikamente spürt er keinerlei Beeinträchtigungen. Lediglich die Einnahme des vom Arzt verschriebenen Medikaments muss dauerhaft gewährleistet sein.

Die Symptome klingen nach und nach ab, Stoffwechsel und Zellwachstum normalisieren sich und auch alle anderen Symptome bleiben aus. Bereits aufgetretene Schädigungen können allerdings nicht rückgängig gemacht werden.

Wird den ärztlichen Anweisungen genau gefolgt, haben Menschen mit einer Hypothyreose keinerlei Einschränkungen. Sie sind ebenso leistungsfähig wie andere Menschen auch. Es gibt keine Einschränkung der Lebensqualität, der erlaubten Tätigkeiten oder der Lebenserwartung.

Prognose für eine Schilddrüsenunterfunktion bei Kindern

Auch für Kinder gilt, dass sie mit der Hypothyreose ein ganz normales Leben führen können. Dazu ist es aber notwendig, die Fehlfunktion frühzeitig zu entdecken. Denn gelingt dies nicht, können Kleinwuchs und sogar Hirnschäden möglich sein.

Startet die Therapie verspätet, ist es möglich, dass es bereits zu Schädigungen gekommen ist. Sobald die Schilddrüsenunterfunktion aber therapiert ist, haben auch Kinder keinerlei Einschränkungen mehr, außer dass sie regelmäßig ihre Medikamente nehmen müssen.

Wie häufig kommt die Schilddrüsenunterfunktion vor?

Probleme an der Schilddrüse sind sehr verbreitet. Studien zeigen, dass rund ein Drittel aller Menschen in der Bundesrepublik an einem Kropf oder an Knötchen an der Schilddrüse leidet. Die Mehrheit davon bemerkt dies nicht einmal.

Entgegen bisheriger Erkenntnisse, dass Frauen übermäßig von Schilddrüsenproblemen betroffen sind, scheint es nach Studien des Forums Schilddrüsen e. V. keinen nennenswerten Unterschied zwischen den Geschlechtern zu geben.

Andere Quellen beruhen auf älteren Studien. Diese sehen eine erhöhte Morbidität bei Frauen, vor allem bei Frauen über 50 Jahre. Demnach leiden fünfmal mehr Frauen an einer primären Schilddrüsenunterfunktion als Männer, während das Verhältnis bei der sekundären Schilddrüsenunterfunktion in etwa gleich ist.

Jedes Jahr gibt es zwischen 170.000 und 360.000 Neuerkrankungen an einer Schilddrüsenunterfunktion. Die Zahlenbasis ist dabei sehr ungenau, da viele Erkrankungen gar nicht oder verspätet entdeckt werden.

Mit zunehmendem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit, an einer Hypothyreose zu erkranken. Bis zu 80 Prozent der Neuerkrankungen lassen sich auf einen Jodmangel zurückführen.

Eine angeborene Schilddrüsenunterfunktion kommt bei etwa zwei von 6.000 – 8.000 Neugeborenen vor. Damit ist die Hypothyreose die häufigste angeborene Stoffwechselerkrankung. Mädchen sind doppelt so häufig wie Jungen betroffen.